Sondertilgung bei Immobilien: sinnvoll im Eigenheim, riskant für Kapitalanleger
Auf den ersten Blick wirkt eine Sondertilgung logisch: Du zahlst zusätzlich Geld in deinen Kredit ein, wirst schneller schuldenfrei und sparst Zinsen. Banken bewerben diese Option gern als cleveren Schachzug.
Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, ob Sondertilgungen möglich sind, sondern für wen sie sinnvoll sind. Zwischen Eigennutzern und Kapitalanlegern liegen hier Welten.
Was bedeutet Sondertilgung überhaupt?
Eine Sondertilgung ist eine freiwillige Zusatzzahlung auf dein Darlehen neben der regulären Monatsrate. Dadurch sinkt die Restschuld schneller, was die Zinsbelastung reduziert und die Gesamtlaufzeit verkürzt.
In Deutschland erlauben viele Banken jährliche Sondertilgungen von etwa 5 bis 10 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme. Bei einem Kredit über 200.000 Euro wären das bis zu 20.000 Euro pro Jahr. Rechnerisch klingt das attraktiv. In der Praxis entscheidet jedoch deine Strategie.
Kapitalanlage, warum Sondertilgungen hier meist ein Fehler sind
Bei vermieteten Immobilien gilt eine klare Grundregel, eine Kapitalanlage muss sich ohne Sondertilgung tragen. Tilgst du als Investor, bindest du Kapital dauerhaft im Objekt. Dieses Geld steht dir nicht mehr für Rücklagen, Liquidität oder weitere Investments zur Verfügung. Genau dort entsteht jedoch Vermögensaufbau.
Ein Vergleich aus der Praxis:
- Investor A steckt jährlich 5.000 Euro in Sondertilgungen. Nach zehn Jahren ist seine Restschuld niedriger, sein Bestand aber unverändert.
- Investor B nutzt dieselben 5.000 Euro als Eigenmittel für neue Finanzierungen. Nach zehn Jahren besitzt er mehrere Immobilien mit steigenden Mieteinnahmen.
Der Unterschied ist nicht die Schuldenhöhe, sondern die Anzahl der Vermögenswerte.
Hinzu kommt ein oft unterschätzter Punkt: Zinsen auf vermietete Immobilien sind steuerlich absetzbar. Wer sie durch Sondertilgungen reduziert, verzichtet freiwillig auf steuerliche Effekte.
Strategischer Blick: Liquidität schlägt Schuldenabbau:
Viele erfolgreiche Kapitalanleger finanzieren bewusst hoch. Nicht aus Leichtsinn, sondern aus Logik.
- Eigenkapital ist der begrenzende Faktor für Wachstum.
- Was du einmal getilgt hast, lässt sich nicht einfach wieder herausholen.
- Gute Objekte entwickeln sich über Mietanpassungen und Wertsteigerung von selbst.
Gerade bei langfristigen Strategien oder geplanten Verkäufen nach zehn Jahren ist die Höhe der Sondertilgung meist irrelevant. Entscheidend ist der Marktwert der Immobilie, nicht die Restschuld im Detail.
Eigenheim, wann Sondertilgungen sinnvoll sein können
Ganz anders ist die Situation bei selbst genutztem Wohneigentum. Hier erzeugt die Immobilie keine Einnahmen, sondern laufende Kosten.
Sondertilgungen können hier Vorteile bringen:
✅ geringere Zinsbelastung über die Jahre
✅ schnellere Entschuldung
✅ mehr Planungssicherheit
✅ emotionales Sicherheitsgefühl
Beim Eigenheim steht nicht Wachstum im Vordergrund, sondern Stabilität und Freiheit. In diesem Kontext kann eine Sondertilgung absolut sinnvoll sein.
Fazit:
Sondertilgung ist kein pauschal guter oder schlechter Schritt. Sie ist strategieabhängig.
- Für Kapitalanleger bedeutet Sondertilgung oft gebremstes Wachstum und gebundenes Kapital.
- Für Eigennutzer kann sie ein wirksames Mittel sein, um schneller schuldenfrei zu werden.
Wer Immobilien als Kapitalanlage nutzt, sollte nicht emotional tilgen, sondern unternehmerisch denken.